Veranstaltungen aktuell

WENN DIE DEMOKRATIE DIE KOLONIE IN SICH TRÄGT UND DIE KOLONIE DIE DEMOKRATIE ALS MASKE AUFSETZT. Guinea Conakry, ein Land mit unendlichem Potenzial. Aber wie lässt sich erklären, dass die Bevölkerung dieses Landes von den reichen Bodenschätzen des Landes wenig bis gar nichts bekommt?

Was: AUSTAUSCHABEND
(Kaffee aus Äthiopien, Tee aus Südafrika und Kulinarisches aus Guinea Conakry dabei und gratis)
Wann: Samstag 20.11.2021
18:00 bis 20:00 Uhr
Wo: AFRIEUROTEXT Buchhandlung. Lassallestraße 20/3, 1020 Wien
Podiumsgäste: Vertreter*innen der Guinea-Conakry-Gemeinschaft in Österreich
Anmeldung bitte erforderlich unter: office@afrieurotext.at

Es gilt die 2G-Regel.

Der Sturz des Präsidenten Alpha Conde am Sonntag 05.09.2021 im Westafrikanischen Land Guinea Conakry durch eine Militärelitentruppe, die von ihm selbst gegründet wurde, um ursprünglich eher nationale und internationale Kriminalität zu bekämpfen (ein Boomerang-Effekt), versetzt derzeit die gesamte Zivilgesellschaft in Guinea Conackry, im ganzen afrikanischen Kontinent sowie in der ganzen Welt in Aufruhr einerseits. Guinea Conakry ist der zweite Produzent weltweit von Bauxit. Ein rotfarbener Rohstoff, der in der Produktion von Aluminium grundlegend ist. Die Auswirkungen dieser brenzligen Situation im rohstoffreichen Land Guinea Conakry lassen sich in den Börsen weltweit spüren, wo der Index von Bauxit und Aluminium in die Höhe schnellen. China ist steht an erster Stelle jener Länder, die Aluminium aus Guinea konsumieren gefolgt von EU-Ländern.

Diese Veranstaltung findet im Rahmen des AFRIEUROTEXT-Projekts „INTERDEPENDENZEN IM 21. JAHRHUNDERT (2021)“

NACHFOLGENDE VERANSTALTUNGEN FANDEN SCHON STATT:

ONLINE DEBATTE

Provenienzforschung und Stand der Restitution afrikanischer Kolonial-(Raubkunst-)Kunst im Besitz Österreichischer Bundesmuseen

Im Rahmen des Projekts „3RRR, RESTITUTION, REHABILITATION and RECONCILIATION“
laden AFRIEUTOTEXT (Kulturverein und Buchhandlung) und fresh Magazin zur Debatte ein:
In the frame of the Project „3RRR, RESTITUTION, REHABILITATION and RECONCILIATION“
AFRIEUTOTEXT (Cultural Association and Bookstore) and fresh Magazin are inviting to a debate:

Provenance research and the status of the restitution of African colonial (looted) art in the possession of Austrian federal museums

Zoom-Kick off-Debatte mit Direktoren Österreichischer Bundesmuseen und der globalen Zivilgesellschaft
Zoom kick-off debate with Directors of Austrian Federal Museums and the Global Civil Society

Datum/Date: 04.03.2021/ 04th of March 2021 Uhrzeit/Time: 19h00
Podiumgäste/Podium guests:
– Weltmuseum (Nadia Haumberger, zugesagt/confirmed)
– Technisches Museum (Martina Griesser, zugesagt)
– Museum für Angewandte Kunst (Rainald Franz, zugesagt/confirmed)
– Naturhistorisches Museum (Katrin Vohland, abgesagt/ not confirmed)
– NRA Abg. Henrike Brandstötter (NEOS) zugesagt/confirmed
Sophie Schasiepen, University of Western Cape, Südafrika (zugesagt/confirmed)

Moderation
Daniel Bitouh, Leiter von AFRIEUROTEXT (Kulturverein und Buchhandlung)
simon INOU, Herausgeber fresh Magazin

Hier können Sie die Online Debatte nachsehen: Here to the VIDEO of the KICK OFF-Online DEBATE

AFRIKANISCHE SCHRIFTSYSTEME ALS ALTERNATIVE GESCHICHTSSCHREIBUNG SCHRIFT- und LITERATURKONZEPTIONEN (différeance)

Wann: 26. November 2019 von 19 bis 22 Uhr
Wo: AFRIEUROTEXT Buchhandlung, Lassallestrasse 20 / 3, 1020 Wien
PODIUM:
Univ. Lektor Dr. Desta Alemu: amharisches Schriftsystem (Äthiopien)
Simon INOU: Forscher und Journalist, Shümom-Schriftsystem (Kamerun)
Mag. Alpha Yaya Sylla: Forscher, Nko-Schriftsystem (Guinea Conakry und Elfenbeinküste)
Moderation: Lena Bußjäger, BA, (AFRIEUROTEXT)
Anmeldung unter: office@afrieurotext.at
NKO
AMHARISCHSHÜMOM

Im Gegensatz zu einer hegelianischen These, die es im 19. Jahrhundert probierte, den afrikanischen Kontinent als schriftlos und dadurch als geschichtslos zu disqualifizieren, erweist sich, dass in Afrika unterschiedliche und faszinierend schlüssige Schriftsysteme entwickelt und erarbeitet wurden. Hingewiesen wird hier z.B. auf das Shümom, das Schriftsystem des Bamun-Volkes im (post-)kolonialen Kamerun, das NKO-Schriftsystem in Guinea Conackry, sowie auf das amharische Schriftsystem in Äthiopien. Der historische Roman Der Schatten des Sultans vom Kameruner Schriftsteller Alain Patrice Nganang stellt einen der textuellen Orte dar, in denen das Shümom-Schriftsystem als Differenzierung einer einseitigen Schriftkonzeption inszeniert wird. Die Kernfrage der Podiumsdiskussion lautet: Inwiefern all diese Schriftsysteme in ein Projekt der Gegengeschichtsschreibung eingebettet und als Befragung und Hinterfragung einer eurozentrischen Schriftkonzeption gedeutet werden können. Die folgende Veranstaltung beleuchtet nicht nur den soziohistorischen Entstehungszusammenhang dieser differierenden Schriftkonzeptionen, sondern vor allem auch deren soziopolitische Funktion im (post)kolonialen afrikanischen Kontext. In diesem Zusammenhang wird über andere Schriftsysteme debattiert. Die Veranstaltung zielt darauf ab, das Bewusstsein für alternative Schriftkonzeptionen bzw. für alternative Geschichtsschreibungen, das heißt auch für alternative literarische und gesellschaftliche Organisationsformen zu schärfen.

Idil und Warsame: Ein differenziertes Eintauchen in ein komplexes und wunderbares Land: Somalien.

Diese Veranstaltung fand am 10. Oktober 2019 von 19 bis 22 Uhr in der AFRIEUROTEXT Buchhandlung (Lassallestrasse 20 / 3, 1020) statt. Eine Buchpräsentation und Besprechung in Anwesenheit des Buchautors Warsame Ahmed Amalle
Zuerst möchte der Nomadenjunge Warsame nicht von einem Mädchen mit den Ziegen und Schafen gesehen werden, weil er sich schämt, eine Mädchenarbeit zu machen. Doch dann lernt er die lebhafte Idil kennen. Er bewundert ihre Geschicklichkeit und Klugheit, ihren Weitblick und ihren kritischen Geist. In ihm erwacht ein Gefühl, das er bisher noch nicht kannte, und er möchte sich gar nicht mehr von ihr trennen. Er erzählt ihr von seinen Zukunftsplänen, sie aber lässt alles offen. Bevor sie sich verabschieden, gibt sie ihm jedoch zu verstehen, dass sie sich darauf freut, ihn am nächsten Tag wiederzusehen. Weil er dieses Rendezvous keinesfalls verpassen will, muss er seine Familie überzeugen, ihn am nächsten Tag wieder mit den Tieren auf die Weide zu schicken. Damit überrascht er alle. Schon vor Sonnenaufgang eilt er zu Idil, um ihr seine Freude kundzutun. Doch alles, was er vorfindet, sind ein verlassener Lagerplatz und die Spuren der Tiere.

So erzählt Warsame Ahmed Amalle in seinem Roman über die somalische Kultur und Gesellschaft, über die wir nicht viel wissen, und wenn schon, dann eher negatives. Denn Somalia ist ein Land, dass in den Schlagzeilen der Medien meistens als Hauptexporteur von Flüchtlingen kolportiert wird. Dass allgemein humane Phänomene wie Glück durch Liebe (auch) dort keimen und zur Blüte kommen, zeigt das Buch Idil und Warsame kontrapunktisch. Dieses Buch lädt darüber hinaus zu einer Reise in die Tiefen der somalischen Kultur ein, um Land und Menschen besser und vor allem differenziert kennenzulernen. Hier ein paar Fotos zum Literaturabend:

LITERATUR- und REFLEXIONABEND. ON NELSON MANDELA´s LEGACY
Politik und Poetik des Möglichen / Literaturabend im Zeichen Südafrikas. Anlässlich des Nelson Mandelas Tages

Diese Veranstaltung fand am 31. Juli 2019 von 19 bis 22 Uhr in der AFRIEUROTEXT Buchhandlung (Lassallestrasse 20 / 3, 1020) anlässlich des 101. Geburtstages von Nelson Rolihlahla Madiba Mandela, [nelsɒn xoˈliɬaɬa ma´ di: ba´ man´ deː la´] (1918-2013), einer politischen Figur globaler Dimension, die in die Weltgeschichte unsterblich als eine Persönlichkeit eingegangen ist, die nachhaltig nicht nur für das Ende und die Beseitigung des Apartheid-Regimes in Südafrika gewerkt und gekämpft hat, sondern er hat durch seine unermüdliche Friedensarbeit den Grundstein für ein friedliches Zusammenleben im Post-Apartheid-Südafrika gelegt. Nelson Mandela wurde dadurch zur Inspirationsquelle für Millionen von Menschen weltweit und bleibt unauslöschlich im globalen Kollektivgedächtnis. Im Mittelpunkt des Literatur- und Reflexionsabends standen Texte südafrikanischer AutorInnen, die sich mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der sog. Regenbogennation dichterisch oder prosaisch auseinandersetzen. Unterschiedliche AkteurInnen aus der in Wien lebenden afrikanischen Gemeinschaft sowie aus der breiten österreichischen Zivilgesellschaft tauschten Gedanken über das Werk Nelson Mandelas aus und analysierten konstruktiv und produktiv derzeitige Verhältnisse in Südafrika. Der aus Kamerun stammende und seit den 1990er Jahren in Johannesburg lebende und arbeitende Politik- und Geschichtswissenschaftler Achille Mbembe beschreibt das Post-Apartheid-Südafrika als ein Land, in dem sich die Zukunft unserer Welt anders abspielt als in Europa. Ein Land an einem paradoxen Scheideweg. Südafrikanische SchriftstellerInnen und DichterInnen wie Ivan Vladislavić, Imraan Coovadia, Antjie Krog und Koleka Putuma (unter anderem) unterstreichen jede/r auf eigene Art und Weise die Komplexität des Schreibens im gegenwärtigen Südafrika.
Ivan Vladislavić, südafrikanischer Schriftsteller mit irischen und kroatischen Vorfahren. Ihm geht es um die komplexe Suche nach Wegen eines neuen Zusammenlebens in einer sicherheitsbesessenen Post-Apartheid-Gesellschaft. Sein Roman Exploded view. Johannesburg (2004) führt die LeserIn in die Mäander der Weltmetropole Johannesburg, einer Stadt, die Achille Mbembe optimistisch und zukunftsdeutend wie folgt beschreibt: “The peculiarity of this place is that it belongs to multiple worlds at the same time. There are parts of this city, which look like Los Angeles. There are other parts, which look like Kinshasa. There are people coming from all over the world. It is this cosmopolitan flavor in Johannesburg that is pretty unique.” (1).
Die talentierte Künstlerin Natascha Merveille Bope las Passagen aus dem Roman Exploded view. Johannesburg.
Imraan Coovadia ist südafrikanischer Schriftsteller mit indischen Vorfahren, die nach Südafrika emigrierten. Ein Teil der indischstämmigen südafrikansichen Gemeinschaft kämpfte Seite an Seite mit den Schwarzen Südafrikas gegen das Apartheidregime. Nach der Beseitigung dieses Regimes fühlte sich die indischstämmige Gemeinschaft im Stich gelassen. Dies thematisiert Imraan Coovadia in seinem gesellschaftskritischen Schreiben. Aufbruchstimmung und Resignation, das sind die Pole, in denen sich die Figuren seines Romans Vermessenes Land (2016) bewegen. Die indischstämmige südafrikanische Mittelschicht, die einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung genießt, macht nichtsdestotrotz die Erfahrung durch, dass Geld oder Gold nicht vor Diskriminierung schützt. John Osamwony las Passagen aus Vermessenes Land. Coovadias Roman Gezeitenwechsel (2011) schildert ein Südafrika, wo Schwarze Machtpositionen innehaben, aber das Land ist noch weit davon entfernt ein Paradies zu sein. Die Handlung in Gezeitenwechsel spielt in der Amtszeit von Thabo Mvuyelwa Mbeki. Thabo Mbeki, der von 2002 bis 2009 als Präsident der Republik Südafrika amtierte, leugnete den Zusammenhang zwischen HIV-Infektion und AIDS. Die HIV-Debatte in Südafrika ist dennoch sehr komplex und lässt sich überhaupt nicht plakativ erörtern.
Antje Krog kommt aus Kapstadt und ist Tochter weißer Buren. Als Teenager zeichnet sie sich schon als engagierte Kämpferin des Apartheid-Regímes ab. Im Buch Country Of My Skull (1998) reflektiert Antjie Krog die 1996 von Nelson Mandela eingesetzte Wahrheit- und Versöhnungskommission. Ziel dieser Kommission war unter anderem, den Weg für ein neues und vor allem friedliches Zusammenleben im Post-Apartheid-Südafrika zu ebnen und gesetzlich zu verankern. Laut Antjie Krog verwandelte sich die Wahrheitskommission in eine Bühne, wo ehemalige Täter sich als Opfer selbst darstellten. Antjie Krog schrieb früher auf Afrikaans (der Sprache weißer Buren) und wusste nach der Beendigung der Apartheid nicht mehr, in welcher Sprache sie schreiben konnte. Afrikaans betrachtete sie künftighin als die Sprache der Täter. Worüber schreiben und in welcher Sprache überhaupt? Das ist die grundlegende Frage, die sich derzeit südafrikanische SchriftstellerInnen stellen. Die Texte von Antjie Krog wurden von Frau Christina Bauer und Frau Melissa Bope gelesen.
Koleka Putuma, geboren 1993, ein Jahr vor dem offiziellen Ende der Rassentrennung. Sie gehört also zu der südafrikanischen Generation, die als „the born free“ (sprich die Frei-Geborenen) bezeichnet wird. Mit einer chili- und skalpellscharfen Sprache seziert sie eine Nation, die noch Symptomen der Racial Segregation aufweist. In ihrem Gedichtband Collective Amnesia (2017) stellt die selbstbewusste, atemberaubende und talentierte südafrikanische Slam-Dichterin Fragen einfach anders. Überzeugen Sie sich selbst hier: WATER
Koleka Putumas Gedichte wurden von der Künstlerin Frau Natascha Merveille Bope deklamiert.
Unter anderen Fragen, die besprochen worden sind: die Frage der gerechten Landverteilung, die Frage der Kluft zwischen Arm und Reich und weitere Fragen. Ein gesonderter Bericht dieser Fragen betreffend ist in Vorbereitung. Die südafrikanischen SchriftstellerInnen, deren Texte inszeniert wurden, stehen paradigmatisch für die Vielfalt der südafrikanischen Gesellschaft.
(1) Zitiert nach Claudia Kramatschek. Zwischen Elegie und Aufbruch – Literarische Impressionen aus Südafrika. Eine Sendung aus der Literaturreihe von Deutschlandfunk. Am 15.07.2018 gesendet. S. 2.
Alle hier erwähnten AutorInnen und mehr sind in der AFRIEUROTEXT Buchhandlung erhältlich. Email: office@afrieurotext.at /
Tel. 0043 650 7235099

Der Abend wurde durch einen faszinierenden und informativen High-Tech-Impulsvortrag über Nelson Mandelas Vermächtnis von Dr. Yves Ekoué Amaizo
Hier ein paar Bilder des Literatur- und Reflexionsabends:

Podiumsdiskussion / MIGRATION, WIRTSCHAFT und DIGITALISIERUNG AUS AFRIKANISCHER PERSPEKTIVE BETRACHTET

Diese Veranstaltung fand am 3. Juli 2019 von 18 – 20:30 Uhr in der AFRIEUROTEXT Buchhandlung (Lassallestrasse 20 / 3, 1020 Wien) statt. Afrikanische Diasporaorganisationen Österreichs als ernstzunehmende AkteurInnen. Wie kann das unternehmerische Potenzial, die Terrain-Erfahrung und die Expertise afrikanischer Diaspora-Organisationen Österreichs in dieser POSTVERNETZUNGSZEIT für die Umsetzung arbeitsplatzschaffender Projekte, Initiativen oder Investitionen in afrikanischen Ländern genutzt werden? Das Wort Postvernetzungszeit (bezogen auf Afrikanische Diaspora-Organisationen) heißt hier keineswegs, dass die Vernetzungsarbeit an Bedeutung verloren hat, sondern es wird vor allem eine verstärkt handlungs- und umsetzungsorientierte Arbeit afrikanischer Diasporaorganisationen herausgestrichen, die darauf abzielt nachhaltig die Lebensbedingungen der Menschen, das heißt auch die Machtverhältnisse vor Ort nachhaltig zu ändern. In einem Zeitalter, wo afrikanische Langzeitherrscher und Entscheidungsträger die Unterschlagung von Steuergeldern, die Marktfrauen, Bananen- oder ManiokverkäuferInnen und TagelöhnerInnen dem Staat zahlen, zu ihrem beliebten Sport gemacht haben. Wenn wenig bzw. nichts mehr von oben (sprich von afrikanischen Langzeitherrschern) zu erwarten ist, dann muss es von unten bzw. von grassroot-Projekten und -Organisationen kommen.
Am 18. Dezember 2018 fand der EU-Afrikagipfel in Wien statt, während dem afrikanische und EU-Staatsfrauen und -männer sich vornahmen, afrikanische Länder künftig als Wirtschaftspartner auf Augenhöhe zu betrachten. Dabei spielte das Thema Digitalisierung eine leitmotivische Rolle, „Taking cooperation to the digital age“. Das Thema Migration aus Afrika nach Europa schien zwar nicht im Vordergrund zu stehen, aber es stand im Raum und schwang von Zeit zu Zeit in den Diskussionen mit. Denn es geht schließlich darum, Arbeitsplätze für die konstant wachsende Anzahl afrikanischer Jugendlicher zu schaffen und dadurch Perspektiven zu konkretisieren. Die versammelten europäischen policy maker einigten sich daher darauf, europäische wirtschaftliche Investitionen in Afrika zu erhöhen und anzukurbeln und einen legalen Rahmen zu schaffen, damit dies unbürokratisch geschieht. Dennoch, damit diese Vorsätze einer differenzierten Partnerschaft mit afrikanischen Ländern spürbare Wirklichkeit werden, ist die Berücksichtigung afrikanischer Diaspora-Organisationen Österreichs und deren Miteinbeziehung in die praktische Umsetzung unerlässlich und ein Muss. Es sollte nicht einseitig, das Unternehmen von österreichischen Klein- oder Großbetrieben sein. Afrikanische Diaspora-Organisationen Österreichs bieten sich nicht nur als Bestandteile eines Projektumfeldes an, sondern sie sind künftighin als notwendige PartnerInnen bei der Bewältigung von „toten Winkeln“, in den Mittelpunkt zu rücken. Ist es nicht an der Zeit, arbeitsplatzschaffende Projekte verstärkt zu fördern, die in afrikanischen Ländern von Afrikanischen Diaspora-Organisationen Österreichs initiiert und in Umsetzung sind? Es eröffnen sich win-win-Partnerschaften zwischen österreichischen klein-, Mittel- oder Großbetrieben und afrikanischen Ländern. Das Podiumsgespräch setzte sich zum Ziel, die österreichische Zivilgesellschaft und vor allem zuständige österreichische Förderinstitutionen von diesem Faktum zu überzeugen und gemeinsam Umsetzungspläne auszuarbeiten. Texte über Wirtschaft und Digitalisierung bezogen auf den afrikanischen Kontinent galten als Gesprächsimpulse. Es hat sich während des Gespräches herausgestellt, dass Bildung und vor allem (Berufs-)Ausbildung eine Grundvoraussetzung für einen effizienten und selbstbewussten Umgang mit unserem digitalen Zeitalter sind. Nicht nur Langzeitherrscher stellen ein Problem dar, sondern in zahlreichen afrikanischen Ländern ist eine deutliche infrastrukturelle Kluft zwischen städtischen und ländlichen Gebieten zu verzeichnen, was die Verbreitung, Anwendung und Nutzung digitaler Medien angeht. Ein Mindestmaß infrastruktureller Investitionen erscheint als Voraussetzung, um digitale Medien produktiv nachhaltig nutzen zu können.
Trotz dieses unbestreitbaren Faktums erfahren afrikanische Gesellschaften eine (Ver-)Wandlung dank des Schrittes ins neue Medienzeitalter. Dass eine Applikation eine Antwort auf eine konkrete Frage bringen muss, ist verifizierbare Tatsache im afrikanischen Kontext. Die „algorhythmische Vernunft“ hat ländliche Gebiete Afrikas erreicht und erfasst und gestaltet den Alltag der BäuerInnen mit. Die Entwicklung von Applikationen kann nie ein Selbstzweck sein. Die Tatsache, dass Digitalisierung und Industrialisierung Hand in Hand gehen, zeigt sich am Beispiel zahlreicher europäischer Länder. Nur die neuen Informationstechnologien beweisen jeden Tag ihre Anpassungsfähigkeit. Sie passen sich an die gesellschaftlichen Begebenheiten an und sie bauen Grenzen des Denk- und Machbaren kontinuierlich ab. Circa 18 Millionen RuanderInnen und KenianerInnen verfügen heute über einen leistungsstarken Breitbandanschluss. Dies ist den Unterseekabeln zu verdanken. Zum digitalen Zeitalter gehören auch erneuerbare Energien. All dies scheint unsere ganze Welt in eine neue (Post-) Moderne zu katapultieren. Wenn man jedoch die Tatsache bedenkt, dass Digitalisierung mit Datenmissbrauch einhergeht, kann man sich schon die Frage stellen, welche Gefahren eine Durchdigitalisierung afrikanischer Gesellschaften in sich birgt? Die Digitalisierung des Subjektes und der Privatsphäre zum Beispiel, das Subjekt als durch die „algorhythmische Vernunft“ überschriebenes Wesen. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet kann man nicht umhin zu erkennen, dass Digitalisierung auch ein immenses wirtschaftliches, soziales und politisches Potenzial für afrikanische Gesellschaften bedeutet. Es ist nicht alles negativ. Es gibt nur Herausforderungen, die bewältigbar sind. Eine Publikation von AFRIEUROTEXT zu dem während des Podiumsgespräches besprochenen Thema ist in Arbeit. Ein Videodokument über das Podiumsgespräch ist in Entstehung. Unser Podiumsgäste waren:
PODIUM
Dr. Ing. Günter SCHALL, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Entwicklung bei der ADA ( Austrian Development Agency)
Dr. Andreas MELÁN, Leiter der Afrikaabteilung beim BMEIA
Mag.a. Nella HENGSTLER, Afrika-Expertin bei der Wirtschaftskammer Österreich
Pascaline SALAY, in Österreich lebende Unternehmerin aus der DR Kongo
Moderation: Dr. Daniel Romuald Bitouh, Leiter von AFRIEUROTEXT (Kulturorganisation und Buchhandlung mit entwicklungspolitischen bzw. sozialunternehmerischen Agenden in Österreich und in afrikanischen Ländern)
Videodokument (gemütlicher Ausklang)

Am 30. März 2019, von 13 bis 22 Uhr: AFRIEUROTEXTSTRASSEN-, und GEDENKJAHRFEST.

Ort: Max-Winter-Platz 23, 1020 Wien. (GB – Stadtteilbüro) inklusiv Max-Winter-Park

Das AFRIEUROTEXT-Strassen- und Gedenkjahrfest 2019 fand am 30. März am Max-Winter-Park im 2. Wiener Bezirk statt, stand unter dem Motto „Dialog, Toleranz und Akzeptanz als Garanten für ein friedliches Zusammenleben“ und bettete sich in die Kultur der Erinnerung an die Vernichtung der JudInnen und anderer Völker in Konzentrationslager durch den Nationalsozialismus sowie in die Kultur der Erinnerung an die Ausbeutung und Vernichtung von AfrikanerInnen in Kolonialplantagen und Bergbaukolonien ein. In diesen historisch grausamen Fakten sehen der Psychiater Frantz Fanon sowie die Schriftsteller Joseph Roth und Franz Kafka die Brüderschaft zwischen Juden und Schwarzen begründet. Wir leben in einer Zeit, in der überlieferte Denkweisen unsere Gegenwart derart prägen, dass immer mehr politisch-psychische Phantasmen einer Gesellschaft ohne den Anderen grassieren und salonfähig werden. Vor diesem Hintergrund setzte sich das AFRIEUROTEXT-STRASSEN- und GEDENKJAHRFEST 2019 zum Ziel, Dialog, Toleranz und Akzeptanz als Garanten für ein friedliches Zusammenleben zu fokussieren.
Programm
Kinderprogramm:
13:00 Uhr AFRIKANISCH-EUROPÄISCHE KLANGWELTEN: TROMMEL- und TANZWORKSHOP FÜR KINDER mit Profi-Tänzer Jules Mekontso
Die Kinder verkörpern die Zukunft unserer Welt. Es ist daher notwendig, das Bewusstsein und Interesse für kulturelle Vielfalt spielerisch gerade bei jungen Kindern zur Horizonterweiterung und zum Wohl unserer Gesellschaft zu wecken. Dies geschieht nach dem Motto „Je früher desto besser“.

15:00 Uhr LESUNGEN für Kinder und Erwachsene mit musikalischer Begleitung
– Gelesen wird aus einem unterschiedlichen Repertoire von Kinderbüchern Kurzerzählungen europäischer und afrikanischer AutorInnen mit musikalischer Begleitung. Es geht darum, bei Kindern das Bewusstsein und Interesse für kulturelle Vielfalt zu wecken.
– Eva Schörkhuber (Schriftstellerin aus dem 2. Bezirk)

AFRIEUROTEXT-Buchhandlung-Bücherstand und Lesekaffeelounge
Das Gesamtsortiment der AFRIEUROTEXT Buchhandlung wird ausgestellt. Reichhaltige Bücherstände mit Schwerpunkt AFRIKA und EUROPA werden
den BesucherInnen zugänglich gemacht.

AFRIKANISCHE KULINARIK
(köstliche afrikanische Spezialitäten für die FeinschmeckerInnen) von 13:00 Uhr bis 22:00 Uhr

17:00 Uhr PODIUMSGESPRÄCH
Titel: DIALOG, TOLERANZ und AKZEPTANZ als Garanten für ein friedliches Zusammenleben

19:00 TANZPERFORMANZ
– Jules Mekontso (Profi-Tänzer) und seine Tanzgruppe „Afro Yemba“

22:00 Uhr Ende des Festes

Das AFRIEUROTEXT Strassen- und Gedenkjahrfest unterstützte die derzeit in Jaunde/Kamerun entstehende AfriEurotext-FRAUENBERUFSAUSBILDUNGSSTÄTTE. 1. Phase: Bäckereischule und Digitaliserung

Ein paar Bilder des Festes:

DSC_0020