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BUCHBESPRECHUNG und -VORSTELLUNG
Datum: 09. Mai 2016 um 19: 30 Uhr
Ort: Institut für Afrikawissenschaften, Universität Wien
Spitalgasse 2, Hof 5, 1090 Wien, Seminarraum 1. Im 1. Stock.
Podium
Dr. Daniel Romuald Bitouh, Buchautor
Moderation: Prof. Dr. Adams Bodomo, Professor für Afrikanische Sprachen und Literaturen
Buch_Ästhetik der Marginalität

Daniel Romuald Bitouh, Ästhetik der Marginalität im Werk von Joseph Roth. Ein postkolonialer Blick auf die Verschränkung von Binnen- und Außerkolonialismus. Tübingen: Narr/Francke/Attempo Verlag 2016.

Eine Kooperation vom Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien, VAW CLUB und AFRI-EUROTEXT.

Brot und Wein
Aus organisatorischen Gründen bitten wir Sie um eine Anmeldung unter: office@afrieurotext.at

Abstract

Dieses Buch erschließt den Afrika- bzw. Dritte-Welt-Bezug von Roths Texten – ein bisher wenig beachteter Aspekt in der klassischen Roth-Forschung. Die Kernfrage der Untersuchung lautet: Wie wird die imperiale Begegnung zwischen Europa und Afrika im Roths Werk thematisiert und dargestellt? Eine Frage, die sich – der Logik dieser Untersuchung nach – in folgende Fragen übersetzen lässt nämlich: Was ist Marginalität bei Joseph Roth? Wie kommt die Marginalität von Roths Gestalten zum Vorschein? Inwiefern lässt sich diese Marginalität auf einen globalen Zusammenhang übertragen? Verfolgt wird das Ziel, Roths Texte nach ihrem Afrika-Bezug zu befragen und zu hinterfragen und daraus Roths Einstellung zur europäischen imperialen Bewegung zu rekonstruieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen der ›Marginalität‹, ›Dritten Räume‹, ›Identität‹, ›Differenz‹ und ›Interdependenz‹. Ausgewählte Texte Joseph Roths nämlich Die Rebellion, Hiob, Die Legende vom heiligen Trinker, Die Flucht ohne Ende, Die Rehabilitierung der Schwarzen, Der blonde Neger Guillaume ;“>>Es mag befremdend klingen, das Werk des ostjüdischen, österreichischen Schriftstellers Joseph Roth mit Afrika oder mit sogenannter Dritter Welt verbinden zu wollen. Denn die österreich- bzw. europazentrierte Roth-Forschung prägt maßgeblich die Diskussion über seine Texte und trägt dazu bei, ein bestimmtes Joseph Roth-Bild zu fixieren. Solche eingebürgerten Festlegungspraktiken lassen bewusst oder unbewusst ein Schweigen über andere mögliche und produktive Aspekte zu Joseph Roths Werk entstehen. Joseph Roth fasste den Mut, gegen totalitäre Systeme in einer Zeit – der nationalsozialistischen Zeit – zu schreiben, in der der Akt des (Gegen-)Schreibens ›sich selbst einen Todesschein ausstellen‹ bedeutete. Dieses Schreiben gegen die totalitäre logozentrische Schrift des Imperialkolonialismus lässt sich als geistige Dekolonisierung auffassen und verbindet Joseph Roth mit Autoren wie Aimé Césaire, Frantz Fanon, Franz Kafka, Franz Werfel, Robert Musil, Mongo Beti, Ngungi wa Thiong´o, Cheikh Hamidou Kane oder Wole Soyinka. In unserer heutigen Welt, in der Subjekte im Süden sowie im Norden des Globus zunehmend mit Grenzsituationen – Kriegen, bewaffneten Konflikten, Umweltkatastrophen, Hungersnöten, private bzw. öffentliche Erniedrigungen und Demutigungen konfrontiert sind, erweist sich eine differenzierte Anatomie des Zusammenlebens im 21. Jahrhundert als eine Notwendigkeit. Diese Arbeit, die sich mit Joseph Roths Texten unter dem sperrigen Konzept ›Ästhetik der Marginalität‹ befasst, bettet sich in einen interkulturellen Dialog ein und stellt einen Moment dieses Dialogs dar. Joseph Roths Texte werden aus einer postkolonialen Perspektive dialogisch mit Anregungen aus Texten vielfältiger Autoren – u.a. Sigmund Freud, Frantz Fanon, Joseph Conrad, Hannah Arendt, Michael Bachtin, Aimé Césaire, Mongo Beti, Jacques Derrida, Michel Foucault, Homi Bhabha, Albert Memmi, Ngugi wa Thiong´o, Giorgio Agamben usw. – gelesen. Joseph Roth gehört, wie Franz Kafka, Franz Werfel oder Robert Musil, zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren aus der Peripherie der alten Donaumonarchie, die sowohl der deutschösterreichischen als auch der europäischen Literatur zu Ruhm und Glanz verholfen haben. Dennoch bildet die Biographie Joseph Roths nicht den Gegenstand dieses Buches. Im Mittelpunkt stehen vorwiegend Fragen der Marginalität, der Herrschaft, der Macht, der kulturellen Differenzen und Interdependenzen. Diese Fragen, die anhand ausgewählter Texte Joseph Roths aufgeworfen und eruiert werden, ermöglichen eine Heranziehung von texten aus afrikanischen Literaturen in den in dieser Arbeit inszenierten Dialog. Was ist unsere Welt, wenn nicht ein dialogischer Raum? Diese Arbeit ist das Resultat eines langjährigen dialogischen Engagements.

Abstract

This book opens up the African and third world relation of Roth’s texts – a hitherto neglected aspect of the classical Roth’s research. The core research question is: How is the imperial en-counter between Europe and Africa discussed and presented in Roth’s work? A question that – according to the logic of this investigation – can be translated into the following matters namely: What is marginality by Joseph Roth? How does the marginality of Roth’s characters come to light? To what extent can this marginality be transferred to a global context? Questions of ›marginality‹, ›third spaces‹, ›identity‹, ›difference‹ and ›interdependence‹ are in the limelight. Selected Texts namely Die Rebellion, Hiob, Die Legende vom heiligen Trinker, Die Flucht ohne Ende, Die Rehabilitierung der Schwarzen, Der blonde Neger Guillaume and others are questioned on this points, with categories of postcolonial literary and cultural theory. The investigation is understood as a dialogical movement between texts and contexts. Roth´s texts build a bridge between Europe and Africa and thus enable an extension of view.