Projekt Interdependenzen im 21. Jahrhundert

In unserer zunehmend durch bewaffnete und kriegsähnliche Konflikte, ungerechte Umvertei-lung von Ressourcen, Hunger, Klimakatastrophen und Flüchtlingskrisen geprägten Welt haben Literatur , Kunst und Wissenschaft mehr denn je eine gesellschafts- und völkerverbindende Rolle zu spielen. Der Kulturverein Initiative AFRIEUROTEXT und die AFRIEUROTEXT Buchhandlung sind fest davon überzeugt, dass Literatur, Kunst und Wissenschaft nicht nur Brücken zwischen Kulturen baut, sondern sie stiften sozialen Frieden. Österreich ist ein EU-Land und pflegt unterschiedliche Beziehung zu anderen Ländern der Welt. Es ist daher ein Mehrwert für unser wertvolles soziales bzw. kulturelles Feld Österreich, wenn den in Österreich lebenden Menschen die Zusammenhänge unserer Welt im Sinne einer Kultur des Dialogs, des Austausches und des Friedens differenziert verständlich sichtbar gemacht werden. Vorliegendes Projekt setzt sich daher zum Ziel, durch unterschiedlich gestaltete und geartete künstlerische und kulturelle Veranstaltungen, das Bewusstsein der breiten österreichischen und europäischen Zivilgesellschaft – im Sinne einer bildungspolitischen Partizipation – auf die Zusammenhänge unserer Gegenwart aufmerksam zu machen. Dadurch wird ein Aufbrechen überlieferter verkrusteter Denkweisen ermöglicht. Es geht darum, ein Umdenkprozess auszulösen. Dieses Projekt bettet sich in die Vision und Mission von AFRI-EUROTEXT ein, einen nachhaltigen Beitrag zu einer Kultur des Austausches, des Dialogs, des Friedens und des differenzierten Denkens und Handelns österreich- und europaweit zu leisten. AFRI-EUROTEXT legt viel Wert auf Texte bzw. auf die „Textualität“ unserer Welt. Texte, [seien es literarische oder (nicht)literarische] vermitteln einen tiefgehenden Blick in Themen und Anliegen jeweiliger Gesellschaften. Texte können zu einer differenzierten Betrachtung soziopolitischer, volkswirtschaftlicher Verhältnisse, Strukturen und Verfassungen afrikanischer und europäischer Gesellschaften sowie zu einer Kultur der wechselseitigen Achtung und des Friedens beitragen. Der AFRI-EUROTEXT Textbegriff ist – über das geschriebene oder gesprochene Wort hinaus – im breiteren Sinne als Hinweis auf die Relationen, Kontingenzen und Kontiguitäten, als Hinweis auf die gewebeartigen Dimensionen unseres Alltags zu verstehen. Die Auseinandersetzung mit Texten für eine Kultur des Austausches, des Dialogs, des Friedens und des differenzierten Denkens und Handelns gehört zu den Wesensmerkmalen einer demokratischen Kultur. Die Auftaktveranstaltung zu diesem Projekt lautet:

MAARIFA / AFRIEUROTEXT Literarisches und soziokulturelles think – thank –

EDOUARD GLISSANT: POETIK DER VIELHEIT / POÉTIQUE DU DIVERS

Podium:
Dr. Di Tutu Bukasa, Politikwissenschaftler aus der DR Kongo
Lena Marinova, Philosophin, Institut für Philosophie der Universität Wien
Mag. Evelyn Kraut, Literatur-, und Kulturwissenschaftlerin, Universität Wien
Moderation: Dr. Daniel Romuald Bitouh, Lektor für Afrikanische Literatur am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien und Leiter des Kulturvereins AFRIEUROTEXT
Datum: Dienstag, 27.02. 2017, von 19:00 bis 21:00 Uhr
Ort: AFRIEUROTEXT Buchhandlung, Lassallestrasse 20 / Tür 3, 1020 Wien
Äthiopische Kaffeegetränke und Tees aus unterschiedlichen Teilen Afrikas gratis.
Anmeldung: office@afrieurotext.at (Erforderlich aus organisatorischen Gründen)
„Poetik der Vielheit“ – so lässt sich das „rhizomatische“ Denken, Dichten und Philosophieren Edouard Glissants zusammenfassen. Edouard Glissant, Dichter, Schriftsteller und Philosoph aus Martinique, lenkt die Aufmerksamkeit auf das AUFEINANDER-ANGEWIESEN-SEIN bzw. auf die RELATIONALITÄT als Grundvoraussetzung unseres Zusammenlebens. Die Begegnung mit dem kulturell Anderen bzw. Fremden sollte nicht instrumental naturwissenschaftlich als Verlust der eigenen Merkzeichen mißinterpretiert werden, bzw. sollte nicht unbedingt zu einem Reflex der „Kastrationsangst“ führen. Identität ist keine Abkapselung, keine Einmauerung. Identität setzt sich aus einer Vielheit von Wurzeln bzw. von Einflüssen, sprich Ressourcen zusammen: „Rhizomatische Identität“ also. Edouard Glissants Dichten und Philosophieren ist eine symptomatische Analyse unserer unheimlich gewordenen Gegenwart. Was versteht Glissant unter „kreolisierte Realität“ (réalité créole) und warum bezeichnet er unsere Welt als kreolisiert? Das Podiumsgespräch setzt sich zum Ziel, kontrapunktisch sich mit Edouard Glissants „Poetik der Vielheit“ auseinanderzusetzen, unter Berücksichtigung gegenwärtiger soziopolitischer Verhältnisse.

Nach erfolgreicher Auftaktveranstaltung folgt die zweite Veranstaltung:

PODIUMSDISKUSSION (Anmeldung: office@afrieurotext.at (Erforderlich aus organisatorischen Gründen)

ACHILLE MBEMBES POLITIQUES DE L´INIMITIÉ (2016) – (DT. POLITIK DER FEINDSCHAFT)
Plädoyer für eine Politik des Humanen. Kriege und gegenwärtige postfaktische Grenzziehungspraktiken als grausame Sakramente unserer Gegenwart.
Podium

Mag. Aloisia WÖRGERTHER, Leiterin der Task Force „Dialog der Kulturen“ beim BMEIA
Simo INOU, Journalist und Gründer von M-Media und Fresh Magazine
DDr. Amadou-Lamine Sarr, Politik-, und Geschichtswissenschaftler, Universität Wien
Botschafter Georg Lennkh, derzeit Präsident von CARE Austria und Mitglied des Vorstandes des Bruno Kreisky Forums. Botschafter Georg Lenk
Datum: 27. Oder 29. März 2018, 19:00 – 21:00 Uhr (Dies wird bald geklärt.)
Ort: AFRIEUROTEXT Buchhandlung, Lassallestrasse 20 / Tür 3, 1020 Wien
Moderation: Dr. Daniel Romuald Bitouh, Lektor für Afrikanische Literatur am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien, Leiter des Kulturvereins AFRIEUROTEXT
Äthiopische Kaffeegetränke und Tees aus unterschiedlichen Teilen Afrikas gratis.

Wir leben in einer Zeit, in der „den Krieg machen oder führen“ ein Job wie je-der andere Job geworden zu sein scheint. In seinem neuesten Essay – betitelt Politiques de l‘ inimitié (2016) (dt. Politik der Feindschaft) – taucht der Kameruner Geschichts- und Politikwissenschaftler Achille Mbembe in die Apotheke des Psychiaters aus Martinique, Frantz Fanon ein, um eine psychoanalytische Lektüre der gegenwärtigen Konstellation unserer Welt vorzuschlagen. Die Kolonisierung und Dekolonisierung bedingten Konflikte haben in ihrem Gefolge eine lange Reihe von Kriegs- und Hassimpulse hinterlassen. Diese Podiumsdiskussion setzt sich daher zum Ziel, die neue Kriegsgeopolitik unserer Gegenwart – mit Achille Mbembes neuerschienenem Essay Politiques de l inimitié als Gesprächshintergrund – zu befragen und zu hinterfragen. Eine der Thesen, von denen Achille Mbembes ausgeht, lautet, die Demokratie – verstanden als Regierungsform, staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Technik und Technologie – scheint auf der Schaffung eines reellen oder virtuellen Feindes zu beruhen. Eine Figur, die historisch unterschiedliche Gestalten verkörpert hat: „Neger“, „Jude“, „Ausländer“, „Migrant“, „Zigeuner“ „Flüchtlinge“ usw. Diese historisch, gesellschafts- und sogar macht(geo)politisch wandelnde Figuren und Figurationen der Marginalität spiegeln eine Kulturgeschichte des Ein- bzw. des Ausschlusses wider. Als Ausweg aus dieser fortbestehenden Konzentrationslagerlogik lenkt Achille Mbembe den Fokus auf die politi-sche Denkfigur des Passanten, des Sich-Bewegenden, des Nicht-Statischen („la figure politique du Passant“), um die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Befindlichkeiten und Konstellationen unserer Gegenwart neu und anders zu denken bzw. zu (be-) und (ver-)handeln. Achille Mbembes Buch ist auch ein Augen-zwinkern an Kants Kritik der reinen Vernunft. Der „Neger“ als eine im Imaginären unserer Modernität tiefsitzende Figur.